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...verhaftet wegen Verdachts auf Banditenunterstützung...

"Macht mir dieses Land wieder deutsch" der Befehl Hitlers 1941, im Bezug auf die Untersteiermark, Kärnten und Krain, galt inhaltlich auch schon vorher - vor allem dem zweisprachigen Teil Kärntens/ Koroška.

Ab dem Zeitpunkt des "Anschlusses" gab es eine Vielzahl an Verordnungen um politische GegnerInnen, SozialistInnen, KommunistInnen etc. zu bekämpfen. Viele der Kärntner SlowenInnen waren KommunistInnen, die sich auch in Hitlerdeutschland illegal weiterorganisierten. Es gab ein Netzwerk um die kommunistische Landesleitung, Kilian Schauß und Hubert Knes: GenossInnen sammelten und spendeten für die "Rote Hilfe", verteilten Flugzettel, bemalten Wände mit Hammer und Sichel und versuchten das Umfeld politisch zu sensibilisieren. Für das NS System galten diese Akte als Hochverrat. Es wurden beispielsweise Menschen monatelang verhaftet, weil sie öffentlich, in einem Wirtshaus die Wirtschaftsverhältnisse kritisierten. In den ersten Jahren nach 1938 galten die Verhaftungen des NS Regimes vorwiegend nationalslowenischen FunktionärInnen. So wurde zum Beispiel versucht den Vorsitzenden des slowenischen Kulturverbandes, Josko Tischler, einzuschüchtern indem er im März 1938 verhaftet und am nächsten Tag wieder freigelassen wurde.

Bis zum Überfall auf Jugoslawien am 6. April 1941, gab es aber relativ wenige Verhaftungen und auch relativ wenig Repression gegen die slowenischsprachigen Vereinigungen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hoffte Hitler noch darauf, dass Jugoslawien Bündnispartner Großdeutschlands werden würde. Nun fielen alle außenpolitischen Rücksichtnahmen, und Anfang April 1941 wurde gezielt versucht die slowenischsprachige Bildungselite aufzulösen. Vor allem Geistliche, die oft für ihre nationalslowenische Einstellung bekannt waren hatten mit Repressionen zu kämpfen. Schon zu Beginn des NS- Regimes wurden viele von ihnen in andere Gaue versetzt, aber im April 1941 kam es dann zum Höhepunkt der NS Verbrechen gegen die slowenischen Geistlichen: 48 wurden in die Gefängnisse der Gestapo gebracht, 9 von ihnen kamen in Konzentrationslager, 3 starben in den KZs und 2 an den Folgen. Weiters wurden direkt nach dem Überfall auf Jugoslawien einige FunktionärInnen des slowenischen Kulturverbandes verhaftet: Rado Wutej, Vinko Zwitter und Milka (Ludmilla) Hartman sind hier nur einige wenige Beispiele.

Die Kärntner PartisanInnen
Viele der slowenischsprachigen Kärntner verweigerten den Wehrdienst oder desertierten. Sie flohen meist nach Jugoslawien und kehrten nach der Öffnung der Grenze in die Wälder in ihrer Heimatnähe zurück. Die sogenannten "grünen Kader" verhielten sich gegenüber den PartisanInnen vorerst sehr reserviert, stießen später aber zu einem großen Teil zur organisierten PartisanInnenbewegung, der Osvobodilna fronta (OF). 1942 griff der organisierte slowenische PartisanInnenkampf der OF auch auf Kärnten über, und die einheimischen WiderstandskämpferInnen begannen mit dem Aufbau eines Netzwerkes in Kärnten/ Koroška. Die slowenischsprachige Bevölkerung unterstütze sie dabei breit, viele schlossen sich den Kampfeinheiten an oder unterstützen sie mit Kurierdiensten, Unterkünften und versorgten sie mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten. Die PartisanInnenbewegung in Kärtnen/ Koroška entwickelte sich zu einer effizienten Macht, die nach Schätzungen etwa 7.000 - 10.000 NS Soldaten band, und somit das NS System erheblich schwächen konnte. Neben den OF wurden auch noch andere PartisanInnengruppen von der slowenischsprachigen Bevölkerung unterstützt, z.B die "Österreichische Freiheitsfront Gruppe Karawanken" oder die "Schüttpartisanen" von Arnoldstein. Die Unterstützung für die PartisanInnen war gerade in der slowenischsprachigen Bevölkerung so groß, weil diese die Brutalität des NS Terrors bei der Deportation von 917 Kärntner SlowenInnen am 14. 4.1942 mit voller Wucht zu spüren bekommen hatte. So gab es viele, die nach diesen Kriegsverbrechen desertierten und sich den PartisanInnen anschlossen und auch die Unterstützung in der Bevölkerung wurde breiter. Und das, obwohl klar war, dass die Untertützung für den PartisanInnenkampf vom NS System hart sanktioniert wurde. Im November/ Dezember 1942 wurde eine OF- Organisation im Raum Eisenkappel/ Zell aufgedeckt. 200 Personen wurden verhaftet, 135 wegen Hochverrates angeklagt und 13 Menschen wurden in Folge enthauptet. Die HelferInnen der wie im Urteil zu lesen steht "terroristischen Banditen" erhielten hohe Strafen von bis zu 12 Jahren, viele wurden direkt in Konzentrationslager überstellt - Frauen meist nach Ravensbrück und Männer nach Dachau oder Mauthausen. Ähnliche Verhaftungswellen gab es noch einmal 1944 in Ludmannsdorf, Feistritz im Rosental und St. Kanzian und kurz vor Kriegsende in Grafenstein.

Neben diesen umfassenden Verhaftungswellen, gab es immer wieder Einsätze der Gestapo, die "präventiv" gegen die UnterstützerInnen von PartisanInnen geführt wurden. Eine der grausamsten "Aktionen" dieser Art war jene, zur Vergeltung für von PartisanInnen ermordete NS-Soldaten, am 25. April 1945 am Persmanhof. Angehörige eines deutschen Polizeiregiments ermordeten dort, nach einem Gefecht mit PartisanInnen, die 11 ZivilistInnen die am Hof lebten: Frauen und vor allem kleine Kinder, nur ein kleines Mädchen konnte sich verstecken und wurde Augenzeugin des grausamen Massakers.

Auch die Deprotationen 1942 wurden von den Nationalsozialisten mit den PartisanInnenkämpfen argumentiert: Durch die Vertreibung staatsfeindlicher Familien würden die PartisanInnen keinen Rückhalt mehr haben, und somit würde es auch keinen Widerstand mehr geben.

Die Deportation der Kärntner SlowenInnen begann am 14.April 1942. 1200 Menschen waren auf den Listen der Gestapo und der RKFDV (Reichskommissariat für die Festigung deutschen Volkstums) vermerkt. Die Deportation der völlig unvorbereiteten Menschen dauerte nur 2 Tage. Die Menschen wurden aus ihren Betten getrieben, hatten eine halbe Stunde Zeit zu packen und wurden dann in das Lager des Reichssarbeitsdienstes in Ebental gebracht, welches für die sogenannte "K- Aktion" von der Kapazität von 200 Personen auf 1000 Personen adaptiert wurde, indem schlichtweg die Betten herausgerissen wurden. Im Lager in Ebental wurden die Menschen nummeriert und hatten von da an keinen Namen mehr. Sie mussten die Übergabe ihrer Höfe an die DAG (Deutsch Ansiedlungsgesellschaft) bestätigen, welche die Höfe dann an Umzusiedelnde aus dem Kanaltal oder Parteimitglieder vergab. Am 15. April 1942 wurde die ersten Menschen bereits mit Zügen, ins Altreich gebracht. Zwei Tage dauerte die Fahrt ins Ungewisse, bis alle 917 Menschen in den Lagern angekommen waren. Die Lager der VOMI (Volksdeutsch Mittelsstelle) waren sehr unterschiedlich. In einigen gab es genug zu Essen, in anderen nichts. In manchen gab es Familienzellen, in vielen wurden die Familien auseinandergerissen, Hygiene und medizinische Versorgung gab es praktisch nicht, einige Kinder und ältere Menschen starben deshalb in den Lagern.

Nach der Deportation gab es einige Aufregung von Verwandten und Bekannten der Ausgesiedelten. In manchen Fällen kamen die Menschen wieder frei, und wurden "nur" mit Gauverbot belegt, andere Menschen kamen frei, weil sie Unterkunft und Arbeiststelle nachweisen konnten. Auf diese Weise befreite Ing. Hans Maresch über 30 Familien. Aber es gab auch zwangsweise Netlassungen: Zwangsrekrutierungen und Überstellungen in KZs wegen kritischen Äußerungen oder PartisanInnenunterstützung.

Nach Kriegsende kehrten die überlebenden Deportierten wieder nach Kärnten zurück. Aber es gab keinen freundlichen Empfang, mensch wusste eher nicht was mit ihnen anzufangen sei. Erst nach Tagen konnten die ersten wieder auf ihre oft geplünderten und verwahrlosten Höfe zurück. Andere mussten Jahrelang um die Rückgabe ihrer Höfe kämpfen. Entschädigung wurde nur in den ersten Jahren nach Ende des Nationalsozialismus diskutiert, später versuchte die Regierung die deportierten Kärntner SlowenInnen mit Minimalzahlungen abzuspeisen. Die Verschleppung von Entschädigungsleistungen ist ein Ausdruck der ausbleibenen Ehrung und Dankbarkeit von Seiten des Staates und der Bevölkerung. Ganz im Gegenteil werden die PartisanInnen sogar oft für ihren Widerstand verurteilt, etwa von den Kärntner Heimatverbänden und am Ulrichsberg in Kärnten/Koroška.